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Geheimnis hinter einem gläsernen Vorhang

Nový Bor, 13.–15. 6. 2014

Gespräche

matragi.jpgGespräch mit Blanka Matragi

Beim heutigen Workshop hat sicherlich jede gemerkt, dass Sie sich zur Gänze in Ihrer Arbeit vergraben. Gleichzeitig spielt sich aber ein wenig Theater ab, da Sie auch alle in der Umgebung einschalten und ihre Reaktionen und Energie gern wahrnehmen, ist es so?

Ja, ich bin so. Eigentlich lebt jeder bildender Künstler in seiner Mikrowelt, in der er etwas schafft und erst auf die Reaktionen der Umgebung wartet. Heute war es aber fabelhaft, eben diese Unmittelbarkeit dieser Veranstaltungen, dass mir die Leute applaudieren und sogar Blumen und viele Geschenke bringen – das hat mich überrascht. Die jungen Leute haben mir eigene Erzeugnisse zum Workshop mitgebracht, um sich zu beraten, ob sie talentiert sind. Und das ist meiner Meinung nach auch das Vorhaben dieser Veranstaltung. Beim Tourismus geht es ums Reisen, Entdecken und Verbinden. Wenn ich etwas schaffe, dann will ich, dass es auch diejenige genießen, die mit mir schaffen.

Wenn man Ihre Arbeit beobachtet, muss man merken, dass Sie auf alle Details achten. Man kann sehen, dass Sie auch die Fotografen und Kameraleute organisieren und an auf die Ergebnisse denken, die aus der Veranstaltung ausgehen. Sie sind also ein Schritt voraus. Sie können es darüber hinaus auf der Art und Weise ausführen, die sehr amüsant ist und man könnte sagen, dass Sie sozusagen ein „Theater“ sind?

Ich bin bestimmt ein „Theater“ und dass ich auf die Details achte, hat mich mein Leben gelernt. In der Vergangenheit habe ich viele Sachen unterschätzt und dann habe ich rückblickend bedauert, dass ich davon kein Dokument habe. Die Projektionen dieses Erlebnisses am Hintergrund der Gedanken sind beim Menschen natürlich nicht so scharf wie es die Realität war. Da kann es manchmal leidtun, dass die wertvollen Momente langsam verdampfen. Wenn sich zum Beispiel die kleinen Kinder ihre Hände unterschreiben lassen oder wenn heute eine schwangere Frau gekommen ist und ich  ihren Bauch unterschrieben habe  - das ist wundervoll! Ich kann sie segnen, dass das andere Leben fortsetzt und mit der großen Gabe, die wir als bildende Künstler haben, gebärt. Da ich aber die Kraft dieser Momente wahrnehme, achte ich auf ihre Dokumentation.

Zum Schluss möchte ich Ihnen zwei Fragen stellen, die ich allen Gästen von MEET CZECH DESIGN stelle. Was bedeutet für Sie persönlich Design?

Ich denke, dass Design für jeden Schöpfer die Selbstäußerung und die Mitteilung der Gedanken bedeutet, die dem Künstler durch den Kopf gehen. Das Design vermittelt in jedem Bereich die Kommunikation mit der Umgebung, was eine wunderbare Möglichkeit ist, wenn man das alles durch verschiedene Anlässe und Veranstaltungen wie MEET CZECH DESIGN äußern kann.

Und wie nehmen Sie selbst das Projekt MEET CZECH DESIGN wahr?

Ich denke, dass der Gedanke des Projektes wunderbar ist. Das Projekt verbindet Städte, Menschen und Medien und führt alle dazu, dass sie sich aktivieren und sich bei einer Veranstaltung treffen, die den Leuten etwas bringt und die Leute gleichzeitig ausbildet. Ich denke, dass es Herausforderungen sind, durch die wir uns selbst realisieren und mit anderen Kollegen konfrontieren können. Eben die Vermittlung der Kommunikation des bildenden Künstlers mit der Umwelt erfolgt hier sehr spontan und es ist ein sehr angenehmer Treffpunkt. Ich bin ein Fan davon, nur so weiter! 

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Gespräch mit Bořek Šípek 

Was bedeutet für Sie Design ?
 
Für mich persönlich bedeutet  Design Arbeit, das ist mein Beruf, doch Design ist für mich der Ausdruck der heutigen Kultur. Es ist Bestandteil unseres Lebens, es ist etwas, was unseren Alltag  aber auch das festtägliche Leben beeinflusst. Es ist eine Disziplin, die zwar noch verhältnismäßig jung ist, aber für die Entwicklung  unserer Kultur immer bedeutender wird.
 
Ihre Meinung zu Meet Czech Design ?
 
Ich meine, dass es sehr wichtig ist, dass solche Projekte entstehen, weil sich viele Menschen der Rolle des Designs immer noch nicht bewusst sind, maßgeblich   aber ist, dass sich dessen die Hersteller nicht bewusst sind.  Sie versuchen ihre Sachen irgendwie selbst zu meistern und sind sich dabei nicht bewusst, dass Design einen ästhetischen  Mehrwert darstellt und auch wirtschaftliche Auswirkungen haben kann.   
 
Verbindet Sie mit Nový Bor noch etwas anderes, als Ihre Glashütte Anežka?
 
Na ja, ich habe hier keine anderen Wurzeln, ich bin ein gebürtiger Prager. Nach Nový Bor bin ich gekommen, als ich etwa 16 Jahre alt war, weil ich enge Beziehungen  zu Herrn Roubíček hatte, der mich hierher brachte. Ich habe mich immer danach gesöhnt, Architekt zu werden und mit Glas habe ich mich so gut wie nicht beschäftigt, aber es begann, als ich mein erstes Haus gebaut habe und dafür einen Kronleuchter machen wollte. Das war irgendwann im Jahre 1982, und seit der Zeit hat es mich gepackt und ich arbeite mit Glas.
 
Ich erlaube mir, Sie zu umschreiben, weil ich irgendwo gelesen habe, dass Anežka wie Ihr Kind ist, und dass sie diesen Namen immer Ihrer Tochter geben wollten. Ist also diese Glashütte, wo wir uns eben befinden, Ihr erfüllter Traum und mich würde interessieren, was für ein Kind Anežka ist?
 
Anežka ist bestimmt ein braves Kind (Gelächelt), aber die Erziehung ist nicht einfach, denn heutzutage ist die Glasindustrie nicht im besten wirtschaftlichem Zustand, was natürlicherweise mit Sorgen verbunden ist. Es ist uns aber gelungen ein Umfeld zu schaffen, das wir anderswo nicht hätten.  Denn jede andere Firma gestaltet ihre technischen Anlagen so, dass sie der Produktion entsprechen, und man muss sich dem sehr schön fügen. Hier gelingt es uns, so zu arbeiten, wie wir es wollen.   
 
Es kommen nach und nach Besucher zu Ihrem Workshop, der in einer Weile beginnt, also frage ich Sie noch zum Schluss, was Sie heute produzieren werden? 
 
Jetzt machen wir nur solche leichte Sachen, Gläser, doch mit dem Anfang des Workshops beginnen wir ein gläsernes Sofa zu kreieren, dass anschließend nach Japan fährt. 

Gespräch mit Herrn David Sobotka, (Kurator von MEET CZECH DESIGN in Nový Bor)

Was bedeutet für Sie Design ?
 
Für mich persönlich bedeutet es die vollkommene Fügung dem Thema, weil ich seit meinen Studienjahren gewissermaßen zu Design tendiert habe. So wie jeder Student der Kunstgewerbeschule  wollte auch ich an der Kunstgewerbehochschule studieren und zu guter Letzt habe ich mich für die Arbeit bei Bořek Šípek entschieden, was mein größter Design-, Architektur- und Kunstlehrer war, wo ich 18 Jahre verbracht habe.  Das war also meine Designschule. 
 
Was bedeutet für Sie, für den Kurator, das Meet Czech Design?
 
Für mich persönlich bedeutet es ein Jahr Arbeit – gesehen von Seite der Arbeit. Jedoch anderseits vollkommene Zufriedenheit, es ist  doch erstaunlich, wie es uns gelungen ist, Nový Bor und die Umgebung aufzuheizen und das nicht nur dem Glas wegen, sondern dank der Durchdringung und dem Übergriff auf das Design.
 
Vielleicht wäre es angebracht, unseren Lesern näher zu bringen, was eigentlich die Vorbereitung einer derartigen Ausstellung und eines so großen Projekts in sich hat?
 
Ausstellungsvorbereitungen hatte ich schon in den Zeiten besorgt, als ich  noch Manager bei Bořek Šípek war, da haben wir riesengroße Ausstellungen weltweit veranstaltet. Selbstverständlich sind mit der Vorbereitung auch einige Monate Arbeit mit der theoretischen Vorbereitung und mit der Auswahl der Objekte verbunden. Dann kommt die Körperarbeit im Laufe eines Monats, wo die einzelnen Exponate ausgewählt, dann gereinigt und verpackt werden. Wenn sie die Teile nach New York schicken, müssen sie dafür haften, dass sie in gutem Zustand ankommen. Und dann wird die Zeit knapp und im Nu bleibt nur die letzte  Woche, bleiben nur die letzten Stunden, da läuft schon der Countdown für den Ausstellungsbeginn. Da ist es nichtmehr möglich etwas davon, was man nicht fertig gebracht hat, abzuhandeln, also muss man alles schaffen.
 
Kann man immer alles schaffen?
 
Bořek hat mich zum Maximalismus geführt. Und da sind wir uns beim Einsatz begegnet. Es ist eigentlich in der  Künstlerwelt  geil, dass bei den Künstlern, um das Maximum hervorzubringen, of dieser Moment "des letzten Augenblicks" kommen muss, was für einen durchaus pragmatischen Manager umgekehrt ist.  
 
Das Festival ist noch nicht zu Ende, doch mich würde interessieren, welche Eindrücke Sie vorläufig haben?
 
Die ganze Zeit ist man nervös und fragt sich selber, ob wir das Konzept tatsächlich richtig zusammengestellt haben, und ob es eindeutig verständlich ist. Da muss ich stolz sagen, dass ich in den letzten zwei Tagen durchaus positives Feedback,  sowohl von den Besitzern als auch von den Besuchern vermerken konnte. Also das, was sie hier sehen, ist meiner Meinung nach gelungen, wir haben es ausgezeichnet     gemeistert, wobei ich immer sage, dass es den Glasmachern zu verdanken ist, weil doch diese diejenigen sind, die hinter jedem konkreten Teil stehen.      

vavra.jpgGespräch mit David Vávra

wird. Über diese Methode haben sie bei Ihrem Vortrag gesprochen, den sich unsere Besucher des MEET CZECH DESIGN  anhören konnten. Was bedeutet „Fusing“ für Sie?
 
„Fusing“ bedeutet Freude, Psychotherapie, und vielleicht  auch Freude für andere, denn es ist eine Methode, die der Collage sehr ähnlich ist, weil Sie buntes Glas übereinander legen und  weil doch Glas ein sehr barmherziges und bildnerisches Material ist, so hilft eher der Zufall als das er schadet, und das ohne Kenntnis von Glastechniken, die eigentlich sehr kompliziert sind, Sie können also Glasstückchen aufeinander legen, dann mit „Fritte“ bestreuen und anschließend zusammenbacken (sintern). Das Glas beginnt zu fließen, bildet Blasen und wenn man es beleuchtet, gerät das Ganze in Bewegung, so dass sich das Glas in der Sonne verändert und zu leben beginnt, was seine weitere wunderschöne Eigenschaft ist.
 
Sie sprechen über „Fusing“ tatsächlich sehr begeistert. Was verursacht eigentlich Ihre Begeisterung?
 
Es ist so, dass ein Architekt eigentlich so ein Bautechniksklave ist und bestimmte Hindernisse im Laufe des Aufbaus überwinden muss. Diese Hindernisse werden aber auch Bestandteile des beendeten Werkes. Dann kommt meistens ein schaffender Künstler, der wie ein König das Bildungswerk vollendet.  Ich habe zu mir aber gesagt, warum soll ich auf dem Bau leiden und die letzte Phase des Vergnügens einem anderen überlassen. Darüber hinaus muss ich dem bildenden Künstler immer alles erklären. Und so bin ich ganz frech eingetreten und habe dieses Fachgebiet für mich ergriffen, wobei mir dies die ersehnte Freude bringt.
 
Das führt mich zu einer Ihrer Äußerungen, die des Öfteren umschrieben wurde, und zwar dass die Architektur den Menschen dienen sollte. Gilt das Ihrer Meinung nach nach wie vor?    
 
Die Rolle des Architekten ist eine Dienstbarkeit, und er sollte demjenigen dienen, der erhebliche Finanzmittel einbringt – der sollte sich dort wie ein König fühlen. Und dazu, dass sich dieser auch als König fühlen kann, dürfen sich die Sachen nicht selbst so darstellen und wirken lassen, dass derjenige, der die Sachen bezahlt hat, dabei überzählig ist. Was zur Zeit  auch so fotografiert wird, die Gebäude wirken wie ein ästhetisches Konzept, wo jedwedes Kind und sein Spielzeug ein Hindernis darstellen und da eigentlich nichts zu tun haben.   
 
Was für eine Bedeutung hat für Sie Design?
 
Ich weiß nicht, ob Design eine selbständige Disziplin ist. Ich würde es lieber in einen Berufsrahmen zusammenfassen, also der Architekt sollte das Haus bis zum Türgriff entwerfen und nicht den Türgriff vom Haus trennen. Und ebenso sehe ich es  an, dass wenn jemand  ein Schmuckstück entwirft, ist es eben ein Schmuckstück und nicht Design. Dem eigentlichen Design allein glaube ich nicht. Meiner Meinung nach sollten es die einzelnen bildenden Künstler verschiedener Fächer schaffen. Mir kommt vor, dass der Designer als Beruf aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Anderseits gesehen finde ich wiederum jede Arbeit gut, die positive Energie schafft.  Design bringt Freude, also ist es eine gute Sache, das sehe ich ein. 

peterolah.jpgGespräch mit Peter Olah und Lars Kemper

Bei Meet Czech Design finden gleichzeitig Ihre zwei Ausstellungen statt. Der Ordnung halber würde ich zuerst dem Projekt für außerordentliche Studenten - Flowerstor Slovakia - die Aufmerksamkeit widmen. Was bedeutet eigentlich dieses Projekt?

Peter: Flowersfor Slovakia ist so eine Ergebung. Wenn ich Ihnen eine Blume schenke, äußere ich meine Ehre oder ich gebe Ihnen ein Geschenk. Unser Projekt basiert auf zwei Ebenen, eine dieser Ebenen ist die Verbindung der Studenten mit den Designprofis, die Ihnen einige Erfahrungen übermitteln können. Die nächste Ebene ist die Verbindung mit den Produzenten, von denen sie das Know-how bekommen können. Sie können für sie schaffen und in Zukunft zu ihren Mitarbeitern, Designern werden. Andererseits gibt es dann die slowakische Dimension, wo wir gewissermaßen der Slowakei helfen, da wir sie in der Welt präsentieren. Das Projekt ist auf der Slowakischen technischen Universität entstanden, ist also mit der Slowakei verknüpft, wobei Flowersfor Slovakia gleichzeitig kein nationales Projekt ist. Wir sind offen und am Projekt beteiligen sich auch Studenten aus anderen Ländern, aus der Tschechischen Republik, aus Österreich. Aus anderen Ländern sind auch die eingeladenen Designer. Das Projekt hat immer mehr eine internationale Dimension.

Wie erkennt man die besten von den besten Studenten? Wie wählen Sie die Studenten für das Projekt aus?

Peter: Am Anfang des Projektes hat Flowersfor Slovakia niemand gekannt, der Studentenkreis war also anfangs auch begrenzt. Unser Konzept haben wir am Anfang so konzipiert, dass wir mehrere Studenten  ausgewählt haben, die wir dann untereinander wetteifern ließen, wie es in den Design-Studios tatsächlich der Fall ist. Die Studenten wetteifern also gegenseitig und daraus ergibt sich ein „Core Team“ des Projektes. So war es bei der ersten Herausforderung der Fall. Als wir aber die zweite Aufforderung vor zwei Jahren veröffentlicht haben, war die Reaktion extrem und wir konnten aus unglaublich vielen Portfolios auswählen. Die engere Auswahl erfolgte also in mehreren Runden, die erste Vorauswahl machte schon die Direktorin Michaela Lipková zusammen mit zwei weiteren Personen. Und so bildete sich schrittweise die Spitze und wir mussten die „Creme de la Creme“ auswählen, wie man sagt. Wie sich schon andermal gezeigt hat, ist nur ein bestimmter Teil der Studenten aus dieser Auswahl wirklich so motiviert, dass sie perfekte Ergebnisse erzielen.

Ihr zweites Projekt mit dem Namen Gastarbeiter betrifft Ihr gemeinsames Schaffen. Können Sie es unseren Lesern näher erklären?

Peter: Gastarbeiter sind derart unsere Freizeitaktivitäten, wenn wir das übertreiben. Da Lars und auch ich für internationale Firmen arbeiten und Industriedesign machen, das relativ streng definiert und klar begrenzt ist. Deshalb haben wir uns gesagt, dass wir zur Erholung etwas anderes machen wollen. Wir sind Designer, das Projekt ist für uns also beendet, wenn das Design fertig ist, wenn also das Ergebnis so aussieht, wie wir wollen. Wir haben nie über die kommerzielle Seite dieses Projektes nachgedacht. Nach den Jahren, in denen Gastarbeiter läuft, geht es eigentlich um ein relativ teures Hobby, dem wir uns aus Begeisterung widmen.
Lars: Wir arbeiten beide für große Körperschaften im Bereich des Industriedesigns, das relativ streng ist, was die Kreativität betrifft. Es ist also natürlich, dass Sie dem Burnout-Syndrom bald nahe geraten. Deshalb bemühen wir uns so sehr, für uns einen Raum zu finden, in dem wir arbeiten und neue Sachen schaffen können. Und wir sind nicht so erfolglos. J Es gibt viele Sachen, die wir in den Jahren zusammen gemacht haben, wir sprechen über eine lange Zeit, über eine ganze Dekade. Es ist auch eine Zusammenarbeit, die ein Erfüllungsgefühl mitbringt. Vielleicht kann man dort keinen wirtschaftlichen Effekt sehen, für uns ist das aber lebenswichtig. Es hilft uns, unsere Gehirne zu erfrischen, was wirklich grundsätzlich ist.

Ihre beiden Ausstellungen kann der tschechische Besucher nur bei MEE CZECH DESIGN besuchen. Haben unsere Leser die Möglichkeit, sie auch anderswo zu sehen?

Peter: Beide Ausstellungen haben ihre Prämieren zu Hause, in ihren Ländern, hinter sich und ziehen durch die ganze Welt. Zum Beispiel sind wir mit Flowersfor Slovakia jetzt aus Berlin zurück gekommen, wo wir den Preis für eine außerordentliche Tat im Rahmen der Aussteller bekommen haben. Das Projekt Flowersfor Slovakia – Handle with Care ist am Ende und beendet heute symbolisch seinen Weg dort, wo es begann. Ich behaupte nicht, dass das Projekt nicht weiter ausgestellt werden kann, das nicht. Jetzt knüpft aber eher das Projekt Lost&Found daran an, mit dem wir aus Polen zurückgekommen sind und das wir auf der Design Week in Mailand ausstellen möchten. Das ist natürlich ein wichtiger Meilenstein für Studenten, weil es immer ein großer Traum ist, auf dieser Design Week auszustellen.
 
 

libena.jpgGespräch mit Frau Liběna Rochová

Ihr Namen ist vielmehr mit Materialen, wie Textil und Papier verbunden. Trotzdem weiß ich, dass Sie schon im Jahre 2008 hier in Nový Bor und konkret in dieser Glashütte an einem Projekt mit Herrn Petr Novotný gearbeitet haben. Wie führte Ihr Weg zum Glas?
 
Ich habe große Achtung vor Glas und bewundere weltweit die Arbeiten tschechischer Glasmacher. Ich hatte irgendeine neue Gestaltungsidee im Kopf und ging zu Dana Zámečníková, um mich von ihr beraten zu lassen und sie schickte mich zum Meister in ihrem Fach, zu Petr Novotný. So habe ich mich mit Lampenfieber wegen meiner Dreistigkeit zu Herrn Novotný begeben, weil ich etwas machen wollte, obwohl ich kein Glasmacher war. Herrn Novotný hat es aber gleich gefallen, dann haben wir es versucht und so ist die Ehrengabe für das Glas, also Schmuck für Kleider, zur Welt gekommen. Die Modeschau wurde im Rahmen des Designblocks in DOX veranstaltet, die Kollektion wurde für den Preis Czech Grand Design nominiert und anschließend hatte ich  eine Ausstellung  mit Modeschau in New York, einige Sachen waren auch in Brüssel und so weiter präsent.
 
Und haben Sie seit dieser Zeit an anderen Projekten gearbeitet?
 
Na ja, ich hatte es geplant, aber leider Gottes bin ich unter der Last anderer Arbeitsverpflichtungen nicht dazu gekommen, da ich an der Kunstgewerbehochschule (UMPRUM) unterrichte und meine eigene Arbeit habe.
 
Und nun ist also wieder ein Angebot für die Zusammenarbeit im Rahmen des Meet Czech Design gekommen?
 
Wie sie sagen. David Svoboda rief mich an, er hätte für mich ein Angebot, und ich habe das Angebot mit einer echten Begeisterung  angenommen. Jetzt habe ich drei Workshopstunden absolviert und habe sie tatsächlich genossen.   Selbstverständlich bin ich mit  Achtung vor den tschechischen Glasmachern und mit großer Demut wieder hergekommen und bin mir meiner Kühnheit  bewusst. Und auf einmal hatte ich dieselben Gefühle wie zum letzten Mal. Früher war es Petr Novotný und nun ist es Petr Kuchta, beide vergegenständlichen  meine Vorstellungen. Zwischen uns muss eine bestimmte Anbindung bestehen. Ich habe meine Idee im Kopf und mache ungenaue Zeichnungen, weil ich vielmehr ein Gefühl wecken und mit diesem weiter arbeiten will. Ich liebe Zusammenarbeit auf einem derartigen Niveau, dass ich Ideen einbringe und der Glasmacher sagt, was machbar ist und was nicht. Ich will seinen Beitrag, seine Kenntnisse, sein Geschick, um  zu dieser Gemeinverbindung  zu gelangen. Ich komme auf ihn mit großem Respekt zu,  wie zu einem Spitzenglasmacher, der auch von seiner Schöpfung etwas hinzufügt. Wir müssen einander gegenseitig zuhören, damit es funktioniert.  Und das ist dann wundervoll. So wie heute.
 
Da kann man tatsächlich von Glück sprechen, sich derartig zu begegnen und zusammenzuspielen.  Vielleicht ist es in Ihrem Beruf nicht immer so. Oder irre ich mich?
 
Genau, das ist ein Wunder, so wie mit Petr Novotný oder Petr Kuchta, das kommt nicht immer vor. Ich habe auch mit Künstlern aus anderen Branchen zusammengearbeitet und weiß also, dass es auf diese Art und Weise nicht funktionieren würde. In diesem Falle funktioniert es aber, weil unter uns gegenseitiger Respekt, Achtung und die gleiche Wellenlänge herrscht. Ich freue mich sehr, dass sich meine Kenntnisse wieder um etwas erweitert haben und beabsichtige, hier ein Glasmacherkurs zu absolvieren. Ich möchte das Glasbläsergewerbe und Grundkenntnisse der Glasmacherei erlernen, weil ich über das Handwerk mehr wissen will.  Ich werde mich aber nicht gleich unter die  Glaskünstler schlagen, bestimmt nicht, ich möchte nur meine  Vorstellungen  vergegenständlichen.
 
Wie schön Sie Ihre Beziehung zum Glas beschreiben! Und  mir ist dabei eingefallen, dass Sie in der Vergangenheit für die Exportfirma Jablonex kreiert haben, stimmt das?
 
Ja, ja, es war aber schon vor vielen Jahren, irgendwann in den 80. Jahren habe ich für die Firma eine Schmuckkollektion kreiert. Ich habe dabei mit Eva Nováková, der Designerin der Firma, kooperiert. Wir haben sowohl mit Glas, als auch mit anderen Komponenten gearbeitet, die damals zu Verfügung standen.  Für mich waren es aber immer nur kleine Sachen, zu filigran, und ich wollte größere haben. Ich meine aber, dass auch so eine gelungene Kollektion entstanden ist, und dass die Designer meine Vorstellungen ganz gut umgesetzt haben. Den nächsten Schritt in Richtung Glas habe in den 90. Jahren unternommen. Da war ich eine Woche in Jablonec und habe alle Betriebe besucht, die Glas herstellen, um zu sehen, was dort gemacht wird und wie die Fertigung läuft. Darauf folgte im Jahre 1995 eine Modeschau, bei der ich schon mit dem Glas gearbeitet hatte, aus Glas waren zum Beispiel die Knöpfe, doch innerlich habe ich gefühlt, dass ich große Objekte kreieren will, so wie zum Beispiel heute.
 
Heute haben sie beim Workshop zusammen mit Petr Kuchta Schmuckstücke für Frau Gulliver hergestellt. Wo könnten wir das Ergebnis sehen?
 
Ich würde es gerne beim Designerblock im Oktober vorstellen.
 
Abschließend möchte ich eine Frage stellen, die allen anderen Gästen  von Meet Czech Design gestellt wurde. Was bedeutet für Sie persönlich Design?
 
Ich würde sagen, das für mich Design das Schaffen, die Umsetzung meiner Träume, bedeutet. 

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