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Lassen Sie das Design zu Wort kommen

Mladá Boleslav, 12.–14. 9. 2014

GESPRÄCHE

Petr Hrdlička, Konstrukteur bei Škoda Auto


Ich weiß, dass Ihr Vater zu den wichtigen Persönlichkeiten in der Automobilbranche zählte. Bedeutet dies, dass Sie bereits in Ihrer Kindheit wussten, was Sie werden möchten, wenn Sie groß sind?

Ja, das war mir von klein auf klar. Als ich noch ein kleiner Junge war, war es mein Traum, zusammen mit meinen Spielsachen auf einem Laster zu sitzen und während der Fahrt mit ihnen zu spielen. Später, als man das Jahr 1948 schrieb, änderte sich jedoch alles. Ich war ein ausgezeichneter Schüler am Realgymnasium, wusste jedoch, wenn ich am Gymnasium bliebe, würden sie mich nicht an einer Hochschule studieren lassen. Also habe ich mich entschieden, eine Lehre zu machen. 1948 begann ich bei AZMP, den damaligen Škoda Werken, eine Lehre zum Schlosser und Automechaniker zu machen. Von dort ging ich auf die Gewerbeschule, was eine weitere Odyssee war, und erst dann besuchte ich das Forschungsinstitut in Prag. Und dann habe ich mich von Prag aus endlich auf eine technische Schule „durchgeboxt“. 

 


So wie Sie er erzählen, war Ihr Weg zur Ausbildung etwas holprig, und es würde mich interessieren, ob Ihnen die Erfahrung als Werksarbeiter später bei Ihrer Arbeit als Forschungsarbeiter nützlich war?

Diese Erfahrung ist absolut unbezahlbar, ich würde diese jedem empfehlen. Ich denke sogar, dass die Tatsache, dass jeder, der eine Gewerbeschule besuchen möchte, vorher eine Lehre absolvieren musste, eine mehr als vernünftige Entscheidung war. Eine Schule ist immer noch die gerechteste Einrichtung, die es auf der Welt gibt. Auch wenn Sie ein Lehrer nicht mag, dann wird er Sie nicht rauswerfen, solange Sie den Unterrichtsstoff beherrschen. Aber im Arbeitsleben können Sie entlassen werden, ohne etwas Falsches zu tun. Daher ist die Konfrontation mit dem realen Leben ganz besonders wichtig. Mir hat es sehr geholfen, dass ich als Werkstattleiter tätig war. Ich haben die Werkstatt für Zahnradherstellung für das Modell Škoda MB 1000 aufgebaut. Ich war damals für 260 Mitarbeiter zuständig und wir fanden nur eine leere Halle vor, haben jede Maschine einzeln zusammengestellt. Die Tatsache, dass ich wusste, was es bedeutet, Werksarbeiter zu sein und mit diesen Menschen zusammen zu arbeiten, hat mit sehr geholfen.


Beim Vortrag auf dem Meet Czech Design Festival war Ihr Lebenswerk mit auf der Bühne - der Škoda Favorit. Welche Vorgabe hatten Sie, als Sie mit der Entwicklung dieses Wagens beginnen sollten? 

Die Vorgabe war ihrer Zeit voraus. Wir hatten das Ziel, dass das Auto nicht mehr als 36 220 CZK kosten und nicht mehr als 680 kg wiegen darf. Es gab auch Grenzwerte bei der Höhe der Investitionen und des Arbeitsumfangs. Grenzwerte, was importiert werden darf und was nicht. Die Vorgaben waren sehr streng, was den Entwicklungsprozess jedoch sehr spannend machte.
Der Termin, den wir für die Entwicklung hatten, war sehr knapp. Die Vorgabe erhielten wir im März 1983, da war ich offizielle noch gar nicht eingestellt, und schon war ich auf dem Weg nach Genf, um über das Design zu verhandeln. Wir haben Herrn Bertoni kennengelernt und ihn gebeten, für uns zu arbeiten. Es war eine hektische, aber auch schöne Zeit, da jeder damals voll bei der Sache war. Und diese Begeisterung und Zusammenarbeit mit der Absicht, das gemeinsame Ziel zu erreichen, motiviert einen ganz unglaublich. Und wenn Sie so energiegeladen sind, dann fühlen Sie sich auch körperlich nicht müde.


Was bedeutet für Sie als Konstrukteur denn Design?

Design ist ein Gefühl. Eine Emotion. Als ich damals auf einer Präsentation der neuen Mercedes C-Klasse war, sagte der Vorstand der Mercedes AG einen Satz, den ich mir bis heute gemerkt habe: „Das Produkt sind nicht alles, aber ohne das Produkt ist alles nichts.“ Damit das Produkt erfolgreich sein kann, muss auch der Service rundherum stimmen. Die Marke muss einen guten Namen haben. Sie muss verlässlich und natürlich auch interessant sein. All diese Dinge gehören dazu, denn Design ist eine emotionale Angelegenheit. 



Interview mit Lukáš Nachtmann, Archivleiter bei Škoda Auto
 

 

Was alles findet man im Archiv bei Škoda Auto?

Bei uns bewahren wir alles auf, was die Geschichte von Škoda Auto betrifft. Historische Dokumente wie persönliche Briefe von Václav Laurin, Verträge zwischen den Herren Laurin und Klement darüber, dass sie zusammen geschäftstätig sein möchten, bis zu aktuellen Unterlagen, wie zum Beispiel dem Protokoll der Vorstandsversammlung. Die gefragtesten Dokumente sind die Fakten zu den Autos, wie die Autos konkret aussahen, als sie das Werk verließen.


Im Rahmen des Meet Czech Design Festivals hielten Sie einen Vortrag über Werbeplakate der Automobilindustrie. Wie lange reicht die Geschichte der gedruckten Werbung bei Škoda Auto zurück?

Die Geschichte der gedruckten Werbung für Škoda Auto reicht bis in die Anfänge des Konzerns zurück. Die Herren Laurin und Klement wussten von Anfang an, dass dies der richtige Weg ist. Da Václav Klement Buchhändler war, wusste er, wie man an diese Problematik herangeht. Zunächst inserierten sie in der Zeitschrift Sport a hry (dt. Sport und Spiele), später gaben sie dann eigene Kataloge, Prospekte und Preislisten heraus.


Hatten die Herren Laurin und Klement schon damals so etwas wie eine Werbeabteilung?

Zu Beginn ihrer Tätigkeit hatten sie keine Werbeabteilung, der Generaldirektor gab die Idee vor und es oblag dem Druckermeister, die entsprechende grafische Gestaltung, den Font, den Rahmen und eventuelle weitere Elemente zu wählen. Zum Beispiel die beliebte kleine Hand, deren Finger auf einen Meilenstein zeigte. Später wurden akademische Maler hinzugezogen. Eine richtige Werbeabteilung bekam Škoda Auto erst während der Zeit des Sozialismus.


Werbung aus welcher Epoche gefällt Ihnen persönlich am besten?

Ich mag am liebsten historische Werbung, zum Beispiel der Jugendstil war wunderschön, aber auch die 30-er Jahre waren ästhetisch. Ab und zu sieht mach auch hübsche Werbung aus den 50-er Jahren.


Falls sich unsere Leser näher über die Geschichte der Werbung informieren möchten, wo sollten sie suchen?

Vor ein paar Jahren haben wir ein Buch über Werbung herausgebracht, und ich hoffe, dass es noch ein paar Stück zu kaufen gibt. Weiter gibt es die Möglichkeit, sich im Archiv zum Studium von Unterlagen anzumelden. Es genügt, eine E-Mail an archiv@skodaauto.cz zu senden, wir werden alle Anfragen beantworten, auch wenn sich jemand zum Beispiel nur historische Werbeunterlagen ansehen möchte.


Was bedeutet Design für Sie persönlich?

Design kann meiner Meinung nach mit Schönheit gleichgesetzt werden. Schönheit der Formen und Linien, des menschlichen Schaffens, egal, ob es sich um Autos oder um das Kleid einer attraktiven Dame handelt. 

 

 

 

Interview mit Jozef Kabaň, Chefdesigner bei Škoda Auto



Manchmal verwenden Sie den Ausdruck „Škoda-DNA“. Was ist für Škoda so charakteristisch, was genau ist denn die DNA?

Die DNA ist ein sehr wichtiger Bestandteil bei der Erschaffung eines jeglichen physikalischen Objektes. Die DNA spielt eine bedeutende Rolle bei der Verknüpfung sowie Kombination der rationalen Welt mit der Ästhetik. Sie dient uns als roter Faden in einer Welt unbegrenzter Möglichkeiten, als eine Art Navigationssystem, das uns die Richtung vorgibt. Bei Škoda sind dies die klaren Formen. Charakteristische Merkmale sind zum Beispiel der Kühlergrill mit vertikalen Streben oder ganz eindeutig die Anbringung des Markenzeichens auf der Motorhaube. Es gibt jedoch noch viel mehr Merkmale. Zu den bekanntesten zählt zum Beispiel die typische C-Form der Rückleuchten, die nicht nur tagsüber, sondern hauptsächlich nachts einen sehr charmanten Charakter hat.


Könnten Sie unseren Lesern erklären, warum ein Konzept wie Vision C oder Vision D so wichtig ist?

Visionen spielen im Design eine ganz bedeutende Rolle. Sie deuten den künftigen Weg der Marke in die ersehnte Richtung an, gleichzeitig dienen sie als eine Art Brücke für künftige Kunden, die schon im Voraus einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie ihr künftiger Wagen aussehen wird. Vision C können Sie schon heute am neuen Fabia-Modell sehen und selbstverständlich wird es am neuen Superb-Modell noch sichtbarer werden.


Ihr Vortrag im Rahmen des Meet Czech Design Festivals stand unter dem Titel „Point of View Blickwinkel“. Zu den Inhalten gehörte zum Beispiel auch die Problematik, dass jedem etwas anderes gefällt. Wie gehen Sie mit eventueller Kritik seitens der Öffentlichkeit um?

Kritik ist für mich eine tolle Angelegenheit. Wir leben ja nicht in einer Diktatur, in der nur ein Blickwinkel der richtige ist. Nehmen Sie zum Beispiel die Frage der Farbe. Vielleicht gibt es viele Menschen, die Weiß mögen, und diejenigen, denen Schwarz besser gefällt, werden von einem weißen Auto nicht begeistert sein. Wir sind verschieden und das Leben ist ja wirklich nicht Schwarz-Weiß, sondern bunt. Ich hingegen hoffe, dass die Menschen unsere Autos nicht nur bewundern, sondern auch kritisieren werden. Es ist nicht unser Wunsch, dass unsere Autos jedem gefallen. Das Design sollte Menschen ansprechen, die in dieser Sache das gleiche fühlen.
Durch das für unsere Marke spezifische Design versuchen wir Dinge zu schaffen, die nicht polarisieren. Wir sind keine Premium-Marke, die sich zu sehr auf einen kleinen Kundenkreis konzentriert. Wir möchten viele Menschen ansprechen und daher haben wir unser Design, das ja nicht die einzige Sache sein sollte, über welche Menschen reden, stark mit Funktionalität verknüpft. Stellen Sie sich vor, dass nicht nur das, was Sie sehen, sondern auch die Art, wie etwas funktioniert, Ihnen dabei helfen kann, den kleinen Zwist zwischen rationalem Denken und Gefühl zu lösen.


Ihre Antwort gibt mir jetzt die Möglichkeit, an die nächste Frage anzuknüpfen, die ich allen Gästen des Meet Czech Design Festivals stelle, und zwar ganz einfach: Was bedeutet für Sie Design?

Design bedeutet für mich persönlich ganz einfach alles. Ich bin mit Design aufgewachsen, ich lebe damit und hoffe, dass ich mich damit auch in Zukunft auseinandersetzen werde. Design ist die ästhetische Betrachtung der Welt um uns herum. Es ist eine Kleinigkeit, die die Menschen vielleicht ein wenig glücklicher macht.


Welches war Ihr erstes Auto und warum haben Sie gerade dieses ausgesucht?

Mein erstes Auto war ein VW Golf und die Wahl fiel mir relativ einfach. Ich wollte ihn haben. Ich wollte ihn haben und hatte das Glück, ihn mein Eigen nennen zu können. Leider war ich nicht der einzige, der ihn wollte, da er mir ein wenig später gestohlen wurde. Jemand wollte ihn genauso viel wie ich, vielleicht noch ein wenig mehr, und so machte er jemand anderem weiter Freude, wobei er mir dadurch eher Sorgen bereitete.

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