app-store-small.png googleplay.png

Mosaik des Grafikdesigns

Brünn, 2.–5. 10. 2014

Gespräche

Interview mit Žaneta Drgová, Grafik-Designerin und Kuratorin

 
Was bedeutet Design für Sie?

Design ist meine Leidenschaft, etwas, das ich mag. Auch ein Beruf, denn ich bin Grafik-Designerin. Ich widme mich dem Design voll und ganz. Gleichzeitig ist es für mich eine „Kultivierung“ der tschechischen Gesellschaft, denn ich habe eine Zeitlang im Ausland gelebt und denke, dass man dort ästhetisch schon etwas weiter ist als hier bei uns. Und es ist gleichzeitig auch meine „Berufung“.

Zusammen mit Lukáš Kijonka leiten Sie das Grafikdesign-Atelier 1 an der Fakultät für bildende Künste der Technischen Universität Brno. Was bedeutet es für Sie, ein Atelier zu leiten, und woran arbeiten Sie gerade mit Ihren Studenten?

Ich bin gleichzeitig Pädagogin und freiberufliche Grafikerin, daher arbeite ich für verschiedene Auftraggeber. Die Leitung des Grafikdesign-Ateliers ist für Lukáš und mich ein persönliches Projekt, in dem wir als Team arbeiten und uns den Studenten bestmöglich widmen. Vor kurzem hatten wir einen Workshop mit dem tschechischen Rapper und Künstler Vladimir 518, den ich persönlich sehr gut fand. Es handelte sich um einen Text-Workshop, in dem wir zu einem konkreten Thema getextet haben. Am Ende des Workshops haben die Studenten ihren Text „gerappt“, und den Tag haben wir mit einem Konzert abgeschlossen. Wir gehen davon aus, was Lukáš und mir im Studium gefehlt hat. Wir versuchen, den Studenten auch andere Fachbereiche vorzustellen und ihren Horizont zu erweitern. Wir stellen Kontakt mit allen her, die sie bereichern und motivieren können. Vladimir 518 hat sie im Bereich der Textarbeit bereichert und den Studenten auch gezeigt, wie wichtig eine ordentliche Selbstdarstellung ist. Darauf machen wir die Studenten oft aufmerksam, denn gute Einfälle muss man auch „verkaufen“ können. Im Atelier arbeiten wir jetzt an einer neuen Identität für die Gesellschaft der Freunde der Mährischen Galerie. Sie können sich also ab dem neuen Jahr auf ein neues Branding freuen.

Im Rahmen von Meet Czech Design haben Sie Vorlesungen und sämtliche Programmpunkte in den Cafés organisiert. Es handelte sich also vorrangig um die Verbindung der Welt der Grafik mit der der Kaffeehäuser. Möchten Sie dieses Konzept weiterentwickeln?

In Brno ist das Kaffeehausleben sehr aktiv, und diese Verbindung bietet sich an. Derzeit widme ich mich aber mehr den Aktivitäten, über die wir schon gesprochen haben. Im Rahmen des Ateliers organisieren wir häufig Vorlesungen und Workshops, und wir versuchen, sie in öffentlich zugänglichen Räumen zu realisieren – das können gerade auch die Kaffeehäuser sein. Kurz gesagt – wir denken uns immer etwas Neues aus.


Interview mit Radana Lencová, Erfinderin der Schrift Comenia Script
 

Die neue tschechische Schreibschrift Comenia Script entstand auf der Grundlage Ihres Doktorstudiums an der Akademie für Kunst, Architektur und Design Prag. Es handelt sich um eine bahnbrechende Angelegenheit, daher kann ich mir die Frage nicht verkneifen – was hat Sie auf diese Idee gebracht? Sind persönliche Erfahrungen der Grund für die Themenwahl?

Sicherlich, aber nicht nur. Ich bin von den Erfahrungen vieler weiterer Menschen ausgegangen, Kindern und Erwachsenen, Lehrern, die mir bestätigt haben, dass die derzeitige Schreibschrift, die wir in der Schule gelernt haben, in der Praxis nicht funktioniert, wie sie sollte. Das Thema der neuen Schreibschrift für Schulen machte nur ein Drittel meiner Arbeit „Kalligraphie heute – Handschrift“ aus. Meinen Entwurf einer neuen Schreibschrift und das ganze didaktische System, das dahinter steckt, habe ich erst einige Jahre später entwickelt, als ich mit konkreten Schulen zusammengearbeitet habe.    

Wenn man aktuelle Fibeln mit historischen vergleicht, hat man beim Lesen von 100 Jahre alten Schriften Probleme. Vielleicht wird es in Zukunft zur Fibel nur ein Tablet mit einem speziellen Programm geben … Wie wird sich die Schrift Ihrer Meinung nach weiterentwickeln?

Was die Handschrift anbelangt, denke ich – und hier gehe ich von aktuellen grafischen Trends aus –, dass die Zukunft der Schrift in der Vereinfachung liegt. Es wird darin vielleicht auch mehr Spielerei und Experimente geben …

Wie sieht es derzeit mit der Verwendung von Comenia Script aus? Wie viele Schulen verwenden derzeit die didaktischen Materialien, die Sie entworfen haben?

Leider kann ich nicht genau sagen, wie viele Schulen jetzt mit Comenia Script arbeiten, die Schulen melden mir das nicht. Ich denke, es sind mehrere Hundert.

Woran arbeiten Sie jetzt? Entwickeln Sie die Schrift noch weiter oder ist das Konzept fertig?

Das Schriftkonzept ist fertig, könnte man sagen. Ich denke darüber nach, die didaktischen Materialien für Comenia Script auf andere Anwendungsbereiche zu erweitern, zum Beispiel für Erwachsene oder körperbehinderte Kinder.

Ich erinnere mich daran, wie wir in der Grundschule unsere Schriften verglichen haben. Einige Mitschüler haben mich mit ihrer Schönschrift absolut beeindruckt. Kann man sagen, dass eine schöne Schrift auf ihre Weise eine Kunst ist?

Eine schöne Schrift ist sicherlich Kunst, aber statt der Schönschrift würde ich eher in Richtung Kalligraphie gehen. Hier hat man im Vergleich mit dem Schönschrift-Drill, von dem man praktisch nicht abweichen kann, wesentlich mehr Raum für Selbstdarstellung. Man sollte betonen, dass die klassische Schönschrift heute nicht mehr unterrichtet wird, sie wurde 1932 abgeschafft. Die „Schönschrift“ der Schüler der 1. bis 3. Klasse, von der Sie sprechen, verwandelt sich leider mit der Zeit in eine unleserliche Klaue, das geht manchmal ziemlich schnell. Ich kenne eigentlich niemanden (außer Lehrerinnen), die als Erwachsener noch genau nach Vorlage schreiben.
 
Natürlich bilden Schriftart, Schriftschnitt und Grafik ein großes Kapitel im Design. Was bedeutet Design für Sie persönlich?

Ich weiß nicht warum, aber beim Wort „Design“ stelle ich mir sofort einen Stuhl vor. In bestimmten Fällen sehen wir uns die Dinge nur an und wir benutzen sie eher nicht. Momentan verbinde ich jedes Design mit dem Leben um mich herum, und entsprechend prüfe ich es auch – Möbel, Spielzeug, Kinderbücher, Schuhe, Kleidung. Mir gefällt Design, das zu 100 % funktioniert!
 

Interview mit Ľubomír Longauer, Maler und Grafiker aus der Slowakei

 
In Ihrer Vorlesung über Gebrauchskunst in der Slowakei nach 1918 haben Sie über mehrere wichtige Grafiker gesprochen. Sie haben Mikuláš Galanda, Ľudovít Fulla und auch Zdeněk Rossmann erwähnt. Insgesamt war aber ihre Begeisterung für die Arbeiten von Ľudovít Fulla zu spüren. Worin ist dieser Künstler Ihrer Meinung nach außergewöhnlich? Können Sie ihn unseren Lesern vorstellen?
 
Meiner Meinung nach ist Ľudovít Fulla (*1902, †1980) vielleicht einer der wichtigsten slowakischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Ich betone „meiner Meinung nach“, denn die Bewertung der Qualität von Künstlern ist natürlich eine individuelle Angelegenheit. Ich weiß nicht, wie bekannt er außerhalb der Slowakei ist, in Fachkreisen kennt man seinen Namen bestimmt. Er war vor allem Maler. Bekannt waren jedoch auch seine Illustrationen von slowakischen Volksmärchen, die in vielen Ausgaben erschienen sind, auch in anderen Sprachen. Ich versuche schon seit 15 Jahren, seine übrige Gebrauchsgrafik bekannt zu machen. Insbesondere seine rein typographischen Arbeiten Ende der 20. und Anfang der 30. Jahre sind bemerkenswert.
Interessant ist auch, dass er in Prag an der Akademie für Kunst, Architektur und Design studiert hat; er hat also nicht Malerei studiert. Seine Professoren waren Arnošt Hofbauer und František Kysela. Während seiner Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule (Škola umeleckých remesiel) in Bratislava verzeichnen wir seinen ersten kreativen Höhepunkt. Die meisten Professoren an dieser Schule waren Tschechen. Diese schufen zusammen mit den modern eingestellten Tschechen in Bratislava und jungen Slowaken einen kleinen, aber einflussreichen Nährboden für die Pioniere der Moderne in der slowakischen bildenden Kunst: Fulla und Galanda. Den Direktor der Kunstgewerbeschule, Josef Vydra, nannte Fulla in seinen Memoiren einen „Wohltäter“.
 
Aus welchem Grund trägt das neueste Buch aus dem Zyklus „Gebrauchsgrafik in der Slowakei nach 1918“ den Titel „Das Ablegen der Tracht“?
 
Der Titel klingt wie ein Werbeslogan, und es scheint, dass er wirkt. Die Slowaken haben sich nach 1918 von einer Minderheit zu einem Volk entwickelt. Das hat sich auch in der Kultur und der Kunst niedergeschlagen. Den slowakischen bildenden Künsten fehlte die Tradition, und da die Grundlage der Gesellschaft auf dem Land lag, dominierte am Anfang die Folklore. Schon in den 20. Jahren entwickelte sich zu dieser Strömung eine gewisse, wenn auch inkonsequente Opposition. Ihr Schwerpunkt lag später in Bratislava, das Zentrum war die Kunstgewerbeschule. Im Jahr 1935 veröffentlichten die Lehrer dieser Schule ein Programmmanifest. Dessen Autor war der Direktor der Schule, Josef Vydra, es trug den Titel „Unterwegs im 20. Jahrhundert“. Das Manifest begründete die Ausrichtung der Schule auf „neue Formen“ – d. h. die Moderne. Darin wird der Untergang der archaischen Slowakei bedauert, die jedoch dem Manifest zufolge ins Museum gehört. Und es ruft die Slowakei dazu auf, ins 20. Jahrhundert aufzubrechen, „jedoch ohne Tracht“. Das hat mich zu dem Titel inspiriert.
Der Untertitel zum Buch lautet „Das Umfeld der Kunstgewerbeschule Bratislava“. Es enthält unter anderem Porträts von fünf Künstlern, von denen vier an der Kunstgewerbeschule unterrichteten und drei Tschechen waren, daher kann das Buch auch für die tschechische Öffentlichkeit von Interesse sein.
 
Sie haben auch davon gesprochen, dass Ihr historisches Werk acht Bände haben soll. „Das Ablegen der Tracht “ ist der zweite Band. In welcher Phase befinden sich derzeit die anderen Bücher? Worauf können wir uns in Zukunft freuen?
 
Das ist ein langfristiger Plan, ich weiß nicht, wie lang ich noch zu leben habe, vielleicht kann ich ihn nicht vollständig umsetzen. Der dritte Band, der den Schülern der Kunstgewerbeschule Bratislava und der Gebrauchsgrafik im Umfeld der Modernisten aus Košice gewidmet ist, nähert sich seinem Abschluss. Die letzten beiden Bände werden sich den 60er Jahren widmen. Wenn es mir gelingt, werde ich alles fertigstellen. Ich forsche schon seit 15 Jahren an diesem Thema und war am Anfang überrascht, was ich alles gefunden habe. Wichtige Persönlichkeiten stelle ich in Porträts mit ihrem Lebenswerk im Bereich der Gebrauchsgrafik vor.
 
Unsere letzte Frage klingt vielleicht banal, aber sie verbindet alle Gäste von Meet Czech Design: Was bedeutet Design für Sie persönlich?
 
Arbeit. Durch das Design arbeite ich immer noch intensiv, auch als Rentner.

Besuchen Sie andere Aktion

Schuhe, die die Welt erobern

Zlín, 1.–3. 5. 2014

Geheimnis hinter einem gläsernen Vorhang

Nový Bor, 13.–15. 6. 2014

Netzwerke des Designs

Prag, 8. 9. – 19. 10. 2014

Lassen Sie das Design zu Wort kommen

Mladá Boleslav, 12.–14. 9. 2014

Mosaik des Grafikdesigns

Brünn, 2.–5. 10. 2014